Nathan der Weise

© Roland Zimmerer

Zimmertheater Rottweil
Von Gotthold Ephraim Lessing

Regie & Bühne: Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme: Bettina Schültke
Musik: Dorin Grama

Mit: Lukas Kientzler, Nora Kühnlein, Meinolf Steiner

Lessings „Nathan der Weise“ ist ein sehr dichtes Drama über die Möglichkeiten und Gefährdungen der Aufklärung. Wenn es keine Wahrheit mehr gibt, dann ist die Haltung jedes Einzelnen zu der Vielfalt der Wahrheiten entscheidend, ebenso wie seine Bereitschaft, den anderen Menschen in seiner anderen Religion, seinem anderen Denken und Fühlen zuzulassen. Wir wenden uns dem zu, was Aufklärung und Demokratie bedroht: Die Rückkehr zu einfachen Ideologien, Glaubenssätzen und religiösen Strukturen. Tatsächlich trägt der Glaube an einen absolut freien Markt immer mehr Züge einer kultischen Religion. Wo bleiben dabei Aufklärung, Toleranz und Bildungsfortschritt? Plötzlich steht der Prototyp unserer europäischen Aufklärung Nathan der Weise inmitten eines kunterbunten Jahrmarktsgeschehens, als wäre er der lächerliche Held eines trivialen Musicals. Es scheint, als können wir dem nur noch beikommen, indem wir den Ernst des klassischen Diskursdramas mit der emotionalen Energie der Operette vermischen. Das Kritisieren in der Tradition von Lessing macht die Welt nicht besser, aber wenigstens fröhlicher. Nathan in die Operette versetzt, bedeutet, die Operette wild, heiß und kontrovers zu machen und jenseits eskapistischer Beschränktheit neue Stoßwellen von Denken und Gefühl auszulösen.

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